Das Haus Semperstraße 56 wurde vom Architektenbüro Czepa&Wiesbauer (gegründet 1907) im Jahre 1912/13 erbaut. Ausführender Baumeister war der Stadt-Maurermeister Karl Krepp, Bauherr war Franz Rybak.
Im Dehio – Die Kunstdenkmäler Österreichs. Wien. X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk. findet sich folgender Eintrag:
„SEMPERSTRASSE (Währing). Anfang 19. Jh. angelegt, aber überwiegend erst nach der Eingemeindung von 1890/92 verbaut. […]
Nr. 56, 58; Nr. 60, Leopold Klinkowsky 1912.
Nr. 56: Erbaut 1912 von Oskar Czepa und Arnold Wiesbauer mit reichem Fassadendekor in Formen der Wiener Werkstätte, seitlich bay windows, kräftiger Riefelputz bis in Höhe des 2. Geschosses; stuckiertes Vestibül (Knabenreliefs), Buntglasfenster.“ (1)
Friedrich Achleitner schreibt dazu in seiner „Österreichischen Architektur in 3 Bänden“:
„Semperstraße 56, BH: Franz Rybak, E: Oskar Czepa & Arnold Wiesbauer, A: Karl Krepp, 1912
Ein wenig München in Wien, aufgesetzt auf einen biedermeierlich reduzierten Secessionsstil, mit Sinn für die Wirkungen einer feingliedrigen Putzfassade.“ (2)
Details:
Wie man an den unten gegenübergestellten Fotos sieht (erst der eingereichte Fassadenplan, danach die heutige Situation) wurden einige Planungen verworfen und neu gestaltet.

Im Detail wurde das Haustor anders ausgeführt (statt geradem Eingangsportal und mutmaßlich schmiedeeisernem Tor ein geschwungener Eingang und ein Holztor), im Mezzanin wurden die jeweiligen Seitenfenster statt 3 Einzelfenster als dreiteilige Fenster auf beiden Seiten ausgearbeitet, der Riffelputz wurde über 2 Stockwerke bis zum Sockel der Erker hochgezogen (was-wie am Fassadenplan ersichtlich-später verändert wurde) und die Form und Struktur der Bay Windows anders ausgeführt (geschwungenes Dach statt Kuppeldach). Auch wurden statt Zierelementen unter den Fenstern der „Beletage“ sogenannte „Maskerons“ ausgeführt.
Die nunmehr fehlenden Fensterläden waren tatsächlich montiert – wie erst seit kurzem durch ein Foto belegt ist (3) – allerdings wurden die unteren Fensterläden im Hochparterre und Mezzanin wohl schon in den 1920er oder 1930er Jahren, die oberen Fensterläden im 3. Stock kurze Zeit nach Ende des Zweiten Weltkriegs demontiert (4). Ebenfalls anzumerken ist, dass die Fensterläden anders als auf dem Fassadenplan gezeichnet, ausgeführt wurden: in den unteren 2 Dritteln der Läden gab es verstellbare Jalousien, das obere Drittel, dass die Oberlichten der Fenster bedeckte, zierte eine Raute.
Zu guter Letzt ist noch auszuführen, dass die im Fassadenplan ersichtlichen Fledermausgauben (oder auch Froschmaul- oder Ochsenauge-Gauben) im Dachbereich nie realisiert worden sind.
Anschließend noch Detailaufnahmen der Fassade:



Veränderungen: In Ergänzung zu der ursprünglichen Konzeption wurden im Hochparterre neben dem bestehenden Blumenkasten bei dem dreiteiligen Fenster auch die beiden Fenster der ehemaligen Portierswohnung mit Nachahmungen der historischen Blumenkästen ausgestattet.
Im Sockelbereich wurde der Eingangsbereich und die Fenster in die Kellerräumlichkeiten modernisiert; zurzeit enthalten sie nicht mehr das dominante Motiv des Hauses, die Raute.
Weiterführende Informationen:
Der im Fassadenplan als Maurermeister angeführte Karl Krepp war ebenso Baumeister und Architekt. Mehr Informationen zu seiner Person finden sich unter nachfolgendem Link: http://deu.archinform.net/arch/52050.htm
(1)zitiert nach: Dehio-Handbuch. Die Kunstdenkmäler Österreichs: topographisches Denkmälerinventar. Wien. X. bis XIX. und XXI. bis XXIII. Bezirk. Wien, Anton Schroll&Co. 1996. S. 506-507.
(2) zitiert nach: Friedrich Achleitner, Österreichische Architektur im 20. Jahrhundert. Ein Führer in drei Bänden. Bd. 3 Wien, 2. Unterband: 13.-18. Bezirk. Salzburg, Wien, St. Pölten, Residenzverlag 1995. S. 216.
(3) Foto verfügbar im Wien-Wiki, Ansicht um 1915; sichtbar am rechten Bildrand nur die ganz linke Fensterachse: https://www.geschichtewiki.wien.gv.at/images/7/7a/Semperhof.jpg
(43) Quelle: Erinnerungen eines langjährigen Hausbewohners.

